Rhythmusstörungen sind bei Sportlern häufig, vor allem bei Ausdauersportlern. Das Herz sieht sich im Körper als eine Art „Dienstleistungs-Organ“ und adaptiert sich gemäss den Bedürfnissen der restlichen Organe. Eine der häufigsten Adaptationen ist die Hypertrophie, der Herzmuskel verdickt sich um die Blutversorgung des Körpers zu gewährleisten. Bei der Essentiellen Hypertonie, der häufigsten Form des Bluthochdrucks, stehen die Gefässe „zu eng“, dadurch ist der Widerstand in den Gefässen zu hoch und das Herz adaptiert sich (durch Muskelhypertrophie), um diesen Druck aufbringen zu können.
Durch Leistungssport kommt es zu anderen Formen der Adaptation. Die Herzkammern werden grösser, dadurch kann pro Schlag mehr Blut transportiert werden. Im Gegensatz zur Zunahme des Herzmuskels beim Bluthochdruck versteift sich der Herzmuskel bei der Adaptation an den Sport nicht, es kommt daher nicht zu Füllungsstörung des Herzens (keine diastolische Funktionsstörung). In Ruhe sinkt bei grösserem linken Ventrikel die Herzfrequenz (Puls), da das pro Minute vom Herzen zu pumpende Blut (Herzminutenvolumen) mit weniger Herzaktionen erbracht werden kann.
Während der Herzmuskel sich problemlos adaptieren kann, tun das die Nervenfasern des Reizleitungssystems kaum. Durch Überdehnungen und Strukturveränderungen vor allem in den Vorhöfen kommt es zu Blockierungen und Rhythmusstörungen. Die Rhythmusstörungen können sich in zu langsamem Puls (symptomatische Bradykardie), ungenügendem Pulsanstieg unter Belastung (chronotrope Inkompetenz), längeren Pausen, Blockierungen der Erregungsfortleitung (verzögerte AV-Überleitung, AV-Block II° Typ Wenkebach, AV-Block II° Mobitz II und AV-Block III°) oder aber auch in zu schnellem Puls (Tachkardien) äussern. Relativ häufig kommt es zum Vorhofflimmern und bei älteren Sportlern zu einer Kombination all dieser Symptome, dem Sick Sinus Syndrom.
En Teil dieser Beschwerden kann beobachtet werden (z.B. der AV-Block II° Typ Wenkebach), teils aber muss eine Behandlung erfolgen und ineinigen Fällen ist eine Schrittmacherimplantation nötig (chronotrope Inkompetenz, Sick Sinus Syndrom etc). Medikamente welche die Frequenz oder den Rhythmus des Herzens beeinflussen werden von Leistungssportlern häufig schlecht vertragen, für Breitensportler sind sie aber durchaus eine Option. Kathetertechnische Interventionen werden in der Regel von Leistungssportlern sehr gut toleriert, benötigen aber begleitend häufig eine zeitlich begrenzte antiarrhythmische Therapie und evt auch eine Phase der Antikoagulation („Blutverdünnung“), was in gewissen Sportarten gefährlich sein kann.
Wenn der Rhythmus des Herzens nicht mehr in der Lage ist, sich an die physiologischen Bedürfnisse anzupassen oder die Erregungsleitung im Herzen gestört ist, kommen Schrittmacher zum Einsatz. Die Programmierung von Schrittmacher bei Sportlern bedarf spezieller Erfahrung, schon die Auswahl des Schrittmacher-Typs ist heikel (möglichst gute Sensoren zur Frequenzsteuerung). Um die Sportliche Aktivität weiterhin möglich zu machen ist meist ein Laufband oder Ergometer-Test unter Kontrolle der Schrittmacherprogrammiergerätes durch einen erfahrenen Sportkardiologen nötig. (Häufige Probleme von Sportlern mit Schrittmacher sind der plötzliche Einbruch der Leistungsfähigkeit bei hoher Last durch zu niedrige Überleitungs-Raten und zu langen PVARPs, wodurch es zu früh zu einer Wenkebach-Überleitung kommt (s. Beispiel unten). Während bei älteren Patienten eine max-track rate (MTR) von 130 in der Regel genügt, sind bei jüngeren Sportlern MTRs bis 190 pro Minute nötig. Bei korrekter Wahl des Aggregates und richtiger Einstellung sind mit Schrittmachern auch grosse körperliche Leistungen bei Schrittmacherabhängigen Sportlern möglich.
Die folgende Grafik zeigt einen Ausschnitt aus dem 24h-EKG eines jungen Sportlers, der in Ruhe kurze Pausen verspürt. Häufig handelt es sich dabei um Extrasystolen, im aktuellen Fall aber um einen AV-Block II° Typ Wenkebach. Dieser AV-Block ist in der Regel nicht progredient, und die Belastungsuntersuchung zeigt eine chronotrope Kompetenz (regelrechter Pulsanstieg unter Belastung). Halbjährlich Kontrollen mittels 24h-EKG sind in diesem Falle ausreichend.









